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Das erste, was ich da im Kopf habe ist ein Film, wo ich, als ich fünf Jahre alt war, war das Schützenfest in Wipperfeld. Und wir Kinder durften immer beim Aufbauen vom Autoscooter, konnten wir helfen gegen Freichips und sowas. Und ich kam da an einen Schießbudenmann ran. Da liege ich als kleiner fünfjähriger Junge, mit schulterblonden, langen Haaren auf einem Bett mit weißem Bettlaken. Bügelfalten. Alles super akkurat. Nackt. Und das war Ende des Films.

Zersplitterte Erinnerung

DLF Kultur, Plus Eins, 2020

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Ich habe hier eine ganze Flasche Alkohol getrunken, habe mich ins Auto gesetzt, bin nach Spandau gefahren, bin am nächsten Morgen auf der Parkbank wach geworden, der Hund saß neben mir. Habe mir ein heißes Bügeleisen auf den Unterarm gestellt, ich war richtig am Ende und kaputt nervlich.

Pflege lebenslänglich

DLF, Das Feature, 2020

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Und es war im Januar, 2015 bin ich dahin verlegt worden, und es war ein sehr winterlicher Tag, es war stark am schneien irgendwie. Und ich gehe ans Fenster und dann steht da so ein Knacki in dem scheiß Knastparker. Und ich rufe so runter, ich sage: „Was willst du von mir?“ Und er macht so die Kapuze runter und guckt mich so an und sagt so: „Hallo Papa.“

Dirks Weg zurück

DLF Kultur, Plus Eins, 2020

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Als ich nachts nach dem Jörg gesucht habe im Internet, hat er mich mal beobachtet. Da ist er
rübergekommen an meinen PC und hat das gesehen, was ich mache und dann sagt er: „Mach
das nicht. Wir werden alles verlieren. Mach das nicht.“

Ein Leben als Zeugin

DLF Kultur, Plus Eins, 2020

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Die Politik, so empfindet es Drabke, würdigt ihre Arbeit nicht. Jahrzehntelang haben sich Lehrerinnen wie sie dafür eingesetzt, dass Kinder aus schwierigen Verhältnissen ihren Platz im Leben finden. Hauptschule, das war nicht nur Unterricht. Das war Lebenshilfe. Der Dank ist die Schließung, so sieht sie das.

Abschiedsklasse

– DIE ZEIT 30/2019 –

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Auf einer Tafel stehen ihre Namen: Jorris, Pollux, Mango. In manchen Gehegen sitzen zwei Affen, in anderen nur einer. Aus ihren Köpfen ragen zylinderförmige Implantate heraus, von den Forschern eingesetzt, damit man ihre Köpfe bei den Versuchen besser fixieren kann. Streu liegt auf dem Boden. Es gibt Spiegel und einen Schal zum Schaukeln. Die Pressesprecherin nennt das „Enrichment“. Sie findet das artgerecht. Die Protestierenden draußen finden die Gehege zu klein und zu trist.

Die Affen von Tübingen

– DLF, Das Feature, 2019 –

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Später, als die Mauer gefallen war und Pastor in Rente, saßen sie abends manchmal bei Rudi in der Küche. Rudi wollte „irgendwas tun“, um ihr Leid zu lindern. Er war ein Kämpfer. Also begannen sie, Tinkturen zu mixen. Thymian, Ingwer, Kräuter kreuz und quer. Sie legten sie in Alkohol ein. Der Glaube an die Wirkung dieser Flüssigkeiten verband sie. Das Wissen, dass sie nichts mehr rückgängig machen konnten, auch. Das Leben, es war nicht auf ihrer Seite.

Webers Liste

– DIE ZEIT 49/2018 –

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Normalerweise sterben Menschen, die die Dienste von Exit in Anspruch nehmen, zu Hause. Peter Vogt weiß noch nicht, wo er sterben wird. Das Gefängnis ist sein Zuhause, seit 24 Jahren.

Darf er sterben?

– DIE ZEIT 47/2018 –

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Jeden Abend sitzt er auf seinem Bett, schließt die Augen, faltet die Hände. Bitte, Gott, bitte, ich möchte leben. Nur dieser eine Wunsch. Jeden Abend.

Ein junger Kämpfer

– DIE ZEIT 25/2018 –

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Manchmal läuft sie durch die Straßen, die Sonnenbrille auf der Nase, die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln nach oben gezogen, damit niemand merkt, wie schlecht es ihr unter Menschen geht, blickt sich um und sieht Großfamilien. »Meine Güte, so viele Kinder«, sagt sie sich dann. Bis ihr wieder einfällt, dass sie selbst fünf hat.

Mama lernt Liebe

– Die ZEIT 18/2018 –

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Doch, der Akram hat ein paar Tage vorher, vier, fünf Tage vorher dem Timo auch das Messer mal gezeigt und auch bei zwei, drei anderen Gelegenheiten, auch nach dem Motto: „Ich stech‘ ihn ab, ich bring ihn um.“

Patrik H. – Über Selbstjustiz in Deutschland

– DLF, Das Feature, 2018 –


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Irgendwann habe ich ihr dann den ersten Porno gezeigt. Wir haben die Dinge aus dem Film dann ein bisschen nachgespielt, haben uns beide ausgezogen und uns angefasst. So fing alles an. Ich war damals 16 Jahre alt. Meine Schwester war zehn.

Er klopft. Sie geht zu ihm. Sie verzweifelt. Er lebt weiter.

– DIE ZEIT 48/2017 –