Später, als die Mauer gefallen war und Pastor in Rente, saßen sie abends manchmal bei Rudi in der Küche. Rudi wollte “irgendwas tun”, um ihr Leid zu lindern. Er war ein Kämpfer. Also begannen sie, Tinkturen zu mixen. Thymian, Ingwer, Kräuter kreuz und quer. Sie legten sie in Alkohol ein. Der Glaube an die Wirkung dieser Flüssigkeiten verband sie. Das Wissen, dass sie nichts rückgängig machen konnten, auch. Das Leben, es war nicht auf ihrer Seite.

-Webers Liste, DIE ZEIT 49/18-

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Auf der Fensterbank des Besucherraums, akkurat vor den Gitterstäben drapiert, liegt die Krücke, die Vogt zum Gehen benutzt. Er atmet schwer. Seine kräftigen Hände verschränkt er auf dem weißen Tisch vor sich. Er lächelt wieder, entspannt, wissend. “Angst?”, fragt er und lässt das Wort lange im Raum stehen, als wolle er ihm Nachdruck verleihen. “Angst? Wovor?” Er habe nie Angst vor dem Tod gehabt. Auch jetzt nicht.

-Darf er sterben?, DIE ZEIT 47/18-

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Wer die Menschen hier in Athenry reden hört, wer Sara davon sprechen hört, wie sie damals ihren Laden für Damenbekleidung schließen musste, wie es der Stadt wirtschaftlich immer schlechter ging, wie das Leben langsam aus Athenry wich, der versteht, warum sie sich an den Traum vom Datencenter klammern. Der Wald draußen vor der Stadt bringt ihnen keine Jobs. So sehen sie das.

-Allein gegen Apple, REPORTAGEN #42-

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Jeden Abend sitzt er auf seinem Bett, schließt die Augen, faltet die Hände. Bitte, Gott, bitte, ich möchte leben. Nur dieser eine Wunsch. Jeden Abend.

-Siebenmal hat der Krebs ihn attackiert. Sechsmal hat Nicolas ihn schon besiegt, DIE ZEIT 25/18-

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Manchmal läuft sie durch die Straßen, die Sonnenbrille auf der Nase, die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln nach oben gezogen, damit niemand merkt, wie schlecht es ihr unter Menschen geht, blickt sie sich um und sieht Großfamilien. »Meine Güte, so viele Kinder«, sagt sie sich dann. Bis ihr wieder einfällt, dass sie selbst fünf hat.

-Mama lernt Liebe, DIE ZEIT 18/18-

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Erschreckenderweise habe ich gedacht, als ich ihn das erste Mal gesehen habe: Oh, mein Gott, so ein junger Kerl ist zu so etwas fähig.

-Patrik H., Deutschlandfunk, 23.03.2018-

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Denn auch das stimmt ja: Wer den Protest zum Lebensinhalt macht, dem fehlt etwas, wenn er erlahmt, und seien die Gründe dafür noch so begrüßenswert.

-Alles schläft, einer wacht, Greenpeace Magazin 1/18-

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Und irgendwann habe ich ihr dann den ersten Porno gezeigt. Wir haben die Dinge aus dem Film dann ein bisschen nachgespielt, haben uns beide ausgezogen und uns angefasst. So fing alles an. Ich war damals 16 Jahre alt. Meine Schwester war zehn.

-Er klopft. Sie geht zu ihm. Sie verzweifelt. Er lebt weiter. DIE ZEIT 48/17-

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Die Angst vor dem Ende ist hier auch eine Angst vor dem Identitätsverlust. Die Angst vor einer Welt, in der es weniger geordnet, geregelt zugeht. Die Globalisierung war für die Gartenzwerge eher Fluch als Segen. Die Handarbeit, die liebevolle Gestaltung, die Einzigartigkeit eines jeden Zwergs, all das steht auf dem Spiel.

-Zwergensterben, REPORTAGEN #33-